Mothers Pride in der Schüür Luzern

Es war Ende Juli 2025; ich arbeitete oben auf dem Faulhorn und unten im Schüür Garten war ein Mothers Pride Konzert geplant. Mein Glück war schlussendlich, dass das Konzert damals nicht stattfinden konnte und darum auf den heutigen Abend verschoben wurde.

Immer mehr Leute drängen sich vor die Bühne im Erdgeschoss der Schüür, vor dem angekündigten Konzertzeitpunkt wird es dunkel im Raum und vier Herren schlendern auf die Bühne. «Mir sind Mothers Pride us Lozärn, könnt eus öppert?» Ich wage zu behaupten, dass gestern Abend alle Anwesenden in der ausverkauften Schüür «Joooo, ich!» antworteten. Manche Anwesende scheinen seit der Gründung im Jahr 1990 treue Konzertgäste zu sein. Andere definitiv nicht, die Menschen in der ersten Reihe wurden wohl erst in den 2000er Jahren geboren. Als sich der eine Band-Gründer, Sämi Gallatti, umdreht und wir alle sein SchlimmHomie Shirt sehen, ist der Jubel grenzenlos… Ich vermute fest, dass da gewisse familiäre Beziehungen bestehen und der musikalische Vater-Stolz oder eben auch der Sohn-Stolz drücken.

Sämi Gallatti und Tobi Gmür waren jung, sehr jung, als sie die Band damals gründeten und sich ein paar Jahre später – dank der Wiederaufbau-Feier der abgebrannten Kapellbrücke – nur mit einem Feigenblatt bekleidet auf die internationalen Konzertbühnen spielten. Am heutigen Abend haben sie zwischen ihren lauten, schnellen und rockigen Liedern auch die eine oder andere Ballade eingebaut. Und damit die Raucher sich eine Dosis Sauerstoff holen können, spielen Sämi und Tobi nur zu zweit einen Stones Klassiker; damals aufgenommen mit Geige, heute gespielt ohne, dafür in Gedenken an den kürzlich verstorbenen Niklaus «Chläusi» Zeier.

Danach kommen Domi Meyer am Schlagzeug und Kuno Studer an der Bassgitarre zurück auf die Bühne und die Herren spielen sich durch ihr musikalisches Schaffen. Sie tun dies ohne In-Ear und sonstigen technischen Schnickschnack, dafür mit vielen Gitarrensoli. Das Schüür-Publikum zückt zwischendurch ein Handy, mehrheitlich sind die Anwesenden jedoch einfach am Tanzen, Feiern und Mitsingen.

Zur Zugabe landen sie beim 2024 erschienenen Album Wasted Years und der Radiosingle No Big Deal. Und genau mit diesem Song auf den Ohren tanzte (äh putzte) ich im vergangenen Sommer jeweils die Zimmer und Matratzenlager auf dem Faulhorn.

Zum Abschluss kann ich mir nicht verkneifen, zu erwähnen, dass Mothers Pride – zusammen mit Pegasus – im Jahr 2007 Teil des Swiss Top Wettbewerb (Vorgänger des heutigen SRF 3 Best Talent) waren. Pegasus haben damals den Jahrespreis abgeräumt und sich vor einigen Monaten aufgelöst. Mothers Pride haben sich stattdessen von 2009 bis 2019 eine 10-jährige Schaffenspause gegönnt und in dieser Zeit trotzdem die Luzerner Musikszene, einfach in anderen Rollen, geprägt und gefördert wie selten eine Band. Und darum lieber Tobi Gmür glauben wir nicht «nur» an die Liebe und den FC Luzern, sondern eben auch an euch!

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