Es war am 20. März 2024 in meinem Lieblings-Konzertlokal im Schtei in Sempach; es trafen sich Greis und Nicole Bernegger zu einem Tête à Tête. Während einer guten Stunde sprachen sie über die Vereinbarkeit von Eltern-Sein und Musik Machen und vorallem auch über die Fesseln, welche einem im Musikbusiness auferlegt werden können. Nicole Bernegger gewann 2013 als Einzelperson bei The Voice. Kurz nach diesem Sieg hat sie, zusammen mit Kultur- und Musikfreund*innen, ein eigenes Label gegründet und somit die volle Kontrolle über die eigene Musik bekommen.
Nicole Bernegger ist mittlerweile eine Band, mehr noch ein Basler All-Star-Kollektiv, welches am heutigen Abend erstmals in der Schüür gastiert. Den im Pressetext angekündigten Soul mit Tiefe, Groove und spürbarer Nähe auf der Bühne spüren wir vom ersten Ton an. Ich befinde mich an meinem gewohnten Platz beim Mischpult, vor mir sehe ich lauter tanzende Körper, fliegende Haare und spüre ich ganz viele Glückshormone. Das Publikum scheint es in vollen Zügen zu geniessen und auch ich ertappe mich dabei, wie ich anfange mit den Hüften zu wippen.
Nicole Bernegger sagen von sich, dass die Frontfrau beim aktuellen Album Alchemy einfach sich selbst sei. Die Soulfamily umfasst Nicole Bernegger (Lead Vocals), Marco Nenniger (Bass), Florian Haas Schneider (Drums), Stefan Strittmatter (Gitarre), Yves de Groot (Wurlitzer/Hammond), Nza Smith und Steffi Klär (Backing Vocals) sowie Stu Huber (Sound, Bühnendesign). Für den heutigen Abend erleben wir am Schlagzeug jedoch Philipp Gut und an der Gitarre Rolf Mosele.
All diese Menschen bringen ihre eigenen Themen, Lebenserfahrungen, Eigenschaften und sonstigen Ingredienzien mit, bringen diese in Verbindung mit dem Wurlitzer/Hammond und bescheren uns damit den heutigen Rhythmus. Und wenn Nicole Bernegger, Nza Smith und Steffi Klär, begleitet vom feinen Schlagzeug Rhythmus Future Memories singen, bin ich wieder zurück im Schtei und bei der damaligen Vereinbarkeits-Diskussion.
Mit der aktuellen Single Alchemy und auch dem Gotthard Cover Remember It’s Me, mitgenommen von der Sing meinen Song Insel, wird das Tempo verschärft und Nicole wirbelt über die Bühne als gäbe es kein Morgen. Ich selbst würde ja bei diesem körperlichen Effort nur noch knapp reden können, Nicole ist und bleibt jedoch einfach eine der kräftigsten Soulstimmen.
Das facettenreiche, musikalische Zusammenspiel zeigt sich in meinen Ohren insbesondere im Lied 54. Nicole erzählt dazu, dass sie an Luzern den See und die Berge schätzt, dieses Ambiente in Basel vermisse, worauf ein Mensch aus dem Publikum meinte, dass sie den See gerne haben könne, solange sie auch den Nebel nach Basel mitnimmt. Genau dieses Auf- und Ab findet auch im Song statt: Wenn du denkst, jetzt versinke ich dann grad im See, dann packt dich die Gitarre und du schwimmst wieder an der Oberfläche.
Es hat sich sehr gelohnt, am heutigen Abend rauszukommen, um spürbare Livemusik von echten Menschen zu erleben. Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen und Hören mit dem Basler All-Star-Soul-Kollektiv.