Es war im April 2014, damals wurden die beiden Berner zum monatlichen SRF3 Best Talent ausgewählt. Sie haben sich schlussendlich gegen Carroussel und Death by Chocolate als Jahressieger durchgesetzt und am Blueballs Festival 2015 für ziemlich viel Hektik gesorgt. Sie spielten auf der Pavillon Bühne und nach dem Konzert musste kurzzeitig die Haldenstrasse gesperrt werden, damit alle Leute einigermassen vom Platz wegkamen. Am diesjährigen Luzern Live spielen sie auf dem Europaplatz und somit auf der grossen Seebühne. Ab halb 7 beginnt sich der Platz zu füllen. Einige wagen es und stehen an einem Foodstand an, andere stellen sich einfach schon mal vor das Mischpult und sichern sich so die besten Plätze.
Kurz nach halb 8 ist es endlich so weit. Angeführt von Flo Reichle am Schlagzeug, kommt die Band auf die Bühne: Jonas Enkerli mit der Gitarre, Lukas Iselin an den Tasten, Joder von Rotz mit dem Bass, Nina Thöni mit der Posaune, David Krummen mit dem Saxophon, Lukas Kohler mit der Trompete und Julia Portmann, welche Luc Oggier und Lorenz Häberli gesanglich unterstützt.
Gleich zu Beginn des Konzerts spielen die Berner drauf an, dass sie damals als junge Musiker auch einfach Glück gehabt hätten und sich nun dafür einsetzen, den heutigen Jungen etwas zurück zu geben. Schon im Eröffnungssong jung verdammt zeigt sich die Textsicherheit des anwesenden Publikums. Die meisten können weit mehr als nur die eine Zeile «U i ha gmeint, de Tüüfu chäm im Füür u nid im rote Chleid!» mitsingen. Später zeigt sich, dass viele Anwesende nicht mitbekommen haben, dass Lo & Leduc im April 2026 ihr bisher politischstes Album veröffentlicht haben. Falls du es ebenso verpasst hast, dann empfehle ich dir, dieses Gespräch anzuschauen, das Pablo vom SRF Bounce mit Lo & Leduc geführt hat.
Ich persönlich feiere den Moment, wo während dem Song Altpapier Tiffany Athena Limacher alias To Athena auf die Bühne kommt und somit ihren Part des Lieds gleich selbst übernimmt. Ein Lied, welches darauf anspielt, wie verlockend das Schnelle sein kann, dass eigentlich für alle genügend da wäre und Loslassen meist zu mehr führt. Textlich haben mich Lo & Leduc seit Beginn überzeugt und immer wieder regen mich einzelne Zeilen so intensiv zum Denken an, wie ich es bis anhin eigentlich nur von Patent-Ochsner-Texten kenne. Das aktuelle Album heisst Krise als Chanson und bietet unzählige solche Zeilen, die beim Hören zeigen, dass ich nicht alleine bin und darum auch mithelfen, den ausgelösten Schmerz (und das schlechte Gewissen) eher auszuhalten.
Lo & Leduc sind immer noch Rapper und somit darf auch heute der dazugehörige Freestyle nicht fehlen. Das Publikum gibt Lo die Wörter «Dampfschiff», «Gorilla», «Schoggitafle» und «Töff» in Auftrag. Er erfüllt souverän und baut sogar noch den Appell ein, dass doch alle Anwesenden ein Luzern Live Bändeli kaufen sollen.
Mit der Hymne 079 sowie der 2020 veröffentlichten Single Tribut und der Info, dass sie zum längst ausverkauften Schüür Konzert ein Zusatzkonzert klar gemacht haben, beenden sie das Konzert und entlassen die Menschenmenge in den wunderbaren Sommerabend. Einige geniessen diesen mit der Überfahrt zum Pavillon auf dem einzigen elektrisch gesteuerten Vierwaldstättersee Schiff, dem Rütli.