Mit dem höchsten Zuger Berg (Wildspitz) in den Beinen besuche ich das Konzert der tollsten Zuger Band (Delilahs). Die Band ist seit 20 Jahren unterwegs und hat sich von der Punkband zur Rockband entwickelt, welche stabile und laute Liveauftritte garantiert. Zu ihrem Jubiläum schlagen Delilahs ein neues Kapitel auf. Sie spielen akustische Konzerte und stellen bewusst ihre Stimmen und das Songwriting in den Vordergrund. Philipp Rhyner an der Gitarre, Muriel Rhyner am Bass sowie Leadgesang und Isabella Darling (ehemals Eder) spielen genauso im Sitzen wie Daniel Fischer am Schlagzeug und der Tourgast Emanuele di Nardo an den Tasten.
Das Konzert fängt unaufgeregt an. Bevor in der Jazzkantine das Licht ausgeschaltet wird, stehen die fünf schon auf der Bühne. Für den Willkommensapplaus bleibt somit gar nicht wirklich Zeit, lieber lauschen wir gleich dem ersten Song. Das Versprechen, dass die Stimmen im Vordergrund stehen sollen, wird definitiv eingelöst: Muriel überzeugt mit ihrer klaren Leadstimme, Isabella und Philipp stimmen mit ein oder singen eigene Passagen. Die Harmonie, welche dadurch entsteht, überträgt sich auch auf das Publikum. Die Gespräche an der Bar verstummen und es wird einfach zugehört. Zwischen den Liedern erfahren wir die eine oder andere Anekdote, sowie die Info, dass am 7. November in der Galvanik die grosse Geburtstagssause stattfinden wird.
Und irgendwie sind sie eben immer noch die Punkband von damals, als eingeschworene „Do it Yourself“-Einheit, investieren sie ihr Herzblut nicht nur in Delilahs. 2013 lancierten sie das Nebenprojekt Delilahs 77, mit dem sie ihre Lieblings-Punkrock Songs feiern. Sehr zur Freude einiger Gäste am heutigen Konzert haben sie auch zwei dieser Songs im akustischen Kleid dabei.
Mich fasziniert vor allem, dass sie zwar zu fünft auf der Bühne sind, jedoch mit sechs Instrumenten spielen. Der Tessiner Emanuele zaubert mit seinem Saxophon viele passende Zwischentöne, welche die akustischen Versionen der Delilahs-Songs perfekt vertiefen. Wer die akustischen Songs hören will, plant am besten gleich einen Konzertbesuch, da „nur“ drei Songs veröffentlicht werden. Der Song Ideal, im Original 2018 erschienenen, ist seit vergangenem Freitag überall hörbar.