Anna Rossinelli im La Cappella Bern

Der Vollmond scheint, draussen hell und schön am Himmel, hinten auf der Bühne im La Cappella und angeblich schon seit heute Morgen auch ein bisschen in Anna’s Kopf – sagt sie zumindest, denn man merkt es ihr nicht an. Vom ersten Lied an ist sie voll da, mit ihrer unverkennbaren Stimme, ihrer Präsenz und ihren spontanen, humorvollen und authentischen Kommentaren zwischen den Liedern. Neben der kleinen Konzertlocation und der Tatsache, dass sie heute nicht in der Vollbesetzung, sondern im Trio auftreten, sind es insbesondere auch diese Kommentare, die eine Initimität mit dem Publikum herstellen, wie sie nur an wenigen Orten möglich ist. Es fühlt sich eher an wie ein sehr professionelles Wohnzimmerkonzert als wie der Auftritt einer Band, die auch schon für die Schweiz auf der ESC-Bühne stand. Der Kontrast zwischen dieser intimen Atmosphäre und der elektrisierenden Musik sowie der energiegeladenen Bühnenpräsenz der drei Musiker*innen ergibt eine absolut gelungene Mischung.

Dass nicht nur das Publikum, sondern auch Frontfrau Anna Rossinelli, Gitarrist Manuel Meisel und Bassist Georg Dillier auf der Bühne diese Atmosphäre sehr schätzen, sie den grossen Bühnen dieser Welt vielleicht sogar vorziehen, ist spürbar. Alle drei befinden sich in ihrem Element und man merkt, dass sie sich in den 15 Jahren seit diesem ESC-Auftritt musikalisch und persönlich weiterentwickelt haben. Anna meint selbst, sie «fänden einige ihrer alten Lieder jetzt scheisse» und «machen jetzt nur noch, was sie wollen und lassen sich von niemandem mehr reinreden oder reinlegen». Dafür ernten sie Applaus und Zurufe aus dem Publikum – alle sind froh und dankbar, dass sie diesen Weg gewählt haben. Denn was sie heute Abend zu dritt im kleinen La Cappella hinlegen, geht unter die Haut und verleitet mich trotz bester Vorsätze dazu, von meinem Sitzplatz aufzustehen und mitzutanzen. Beim letzten Lied Head in the Sky schliesslich lassen sich alle anstecken und das bestuhlte Konzert verwandelt sich für ein paar Minuten in ein Stehkonzert. Danke für dieses Vollmonderlebnis Anna, Manuel und Georg, was für fantastischer Einstieg in dieses Osterwochenende!

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