Wintershome in der Schüür Luzern

Das Licht geht aus, von der Bühne erklingen Pianoklänge und das Publikum drängt sich zwischen Mischpult und Bühnenrand. Am heutigen Abend gastiert die Zermatter Familienband Wintershome in der Schüür. Am Keyboard und Gesang ist Pirmin, dessen Schwester Maria singt. Cousine Romaine und Cousin Joel spielen beide Gitarre und singen. Der Bass wird vom Grosscousin Martial gespielt. Weil die ursprüngliche Schlagzeugerin Rebecca aus beruflichen Gründen ausgestiegen ist, profitiert die Band aktuell vom Session Musiker Leo aus Lausanne.

Ich merke schnell, dass ich mitten in der Fan- (und Familien-) Bubble stehe. Die junge Frau vor mir bezeichnet jeden zweiten Song als ihr Lieblingslied, die entsprechenden Glücksgefühle, welche sie damit ausstrahlt stecken auch mich an. Ich schalte meinen Kopf aus und lasse mich von den Melodien mitnehmen. Ich bin definitiv eher Sommer- als Wintermensch, der Song White Lines lässt jedoch sogar mich gedanklich «Rillen killen«.

Wie schon im Jahr 2018 am Zermatt Unplugged Konzert fasziniert mich auch heute die Harmonie, mit welcher die Leadstimme zwischen Pirmin, Maria, Romaine und Joel wechselt. Chances von der aktuellen gleichnamigen EP bringt ausserdem auch uns zum singen. Zwischen den Liedern erfahren wir, dass sie sich während Corona auflösen wollten, dies jedoch nicht konnten, da sie das «Auf der Bühne Stehen» brauchen. Es berührt mich, mit welcher Ehrlichkeit sie den Applaus entgegennehmen und wie sie keinen Aufwand scheuen, mit dem Publikum zu agieren. Die Ansagen machen sie in Dialekt und auf Englisch, schliesslich sollen die norwegischen und amerikanischen Gäste sich ebenso willkommen fühlen in der Wintershome-Familie.

Im Vorfeld des Konzertes haben sie via Social Media nachgefragt, welche Lieder sie wiedermal live spielen sollen. Die Community hat den Eröffnungssong vom 2018 erschienenen Album Where it Begins ausgewählt und ich erinnere mich zurück an die Zeit, als ich dieses Lied in Endlosschlaufe hörte und lasse die Tränen fliessen. Ich war schon lange nicht mehr an einem Konzert, an dem Publikum und Band so schnell zusammen fanden. Im Pressetext lese ich den Satz «Wintershome machen einen Riesenschritt in Richtung Pop.», jetzt beim Schreiben des Konzertbericht und Nachhören der gespielten Lieder kann ich dies zu 100% bestätigen. Das Folkige von damals ist immer noch da, es ist jedoch nun untermalt mit Synthesizern und einer Intensität sowie menschlichen und musikalischen Präsenz, welche zeigt, dass Wintershome ready sind für die Eroberung der Konzertbühnen.

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