Pablopolar im Bierhübeli in Bern

Samstagnacht in Bern. Ein leichtes Beben ist unter den Füssen auszumachen. Beginnt der Song erst sanft und ruhig, baut er sich auf, immer stärker, immer mächtiger. Harmonisch geht die Trompete vom Backgroundgesang begleitet in das Lied über. Ein kleiner Schauer kriecht meinen Rücken hinunter. „Faulinaux“ heisst der Titel und stammt ab dem dritten Album der Berner Band „Pablopolar.

Pablopolar spielen viele solche gewaltige, aufbauende Titel und wir gehen an dem Abend wohl alle mit diesem Wow-Gefühl nach Hause. Auf eine gewisse Weise überrascht, vielleicht sogar fast ein wenig überfahren von all der Energie, die die Band an dem Abend freigesetzt hat. Vor einem Monat haben Pablopolar ihr drittes Album „Colorize“ veröffentlicht und dieses nun im Bierhübeli Bern gebührlich gefeiert.

Beginnt das Konzert mit dem eher ruhigeren, andächtigeren „FM“, entwickelt es sich sehr schnell breiter und energischer. Die ersten Zuschauerreihen tanzen und feiern von Beginn weg ausgelassen vor der Bühne, halten sich mit den Zwischenrufen kaum zurück. Der Rest übernimmt mehr die Beobachterrolle und geniesst etwas distanzierter.

Vieles ist bei Pablopolar neu seit der letzten Tour. Andere Plattenfirma, eigenes Management, neue und zusätzliche Bandmitglieder und eben ihr neues, drittes Werk. Und mit all dem sind eine Menge frische Energie und diese gewisse Leichtigkeit hinzugekommen.  Mit „Colorize“ sind Pablopolar etwas von der Melancholie der Vorgänger abgekommen. Titel wie etwa „Family History“ oder ihre aktuelle Single „Promise“ sind fröhlicher und lockerer.

Während des Grossteils des Konzertes hüpfen und gleiten die Lichter über die Bühne. Die Band experimentiert mit Sound und Farbe. Über den ganzen Abend verteilt zeigen sie ihre diversen Facetten aus Pop und Rock. Beim Synthie-lastigen „Ambulance“ erscheinen auf den T-Shirts der Bandmitglieder und über die ganze Bühne verteilt plötzlich kunterbunte Neonfarben. Wer genau hinsieht, sieht sogar im Publikum vereinzelte Gesichter in denselben Farben erleuchten. Die ruhigen Momente wie während „Guiding Light“, in der die Bühne in das schwache, warme Licht einer einzigen Glühbirne getaucht wird, sind recht rar. Ohne allzu viele Worte zu verlieren geht’s von einem zum nächsten Stück, kraftvoll durchs Programm. Und so folgt viel zu bald die erste Zugabe mit dem Kwabs-Cover „Walk“. Feuerzeuge und Arme werden geschwenkt.  Sie werden ein zweites und drittes Mal raus geklatscht.

Die Band lässt den Abend mit einem zweiten Cover, „Long Distance Call“, in schönster Harmonie ausklingen. Mehrstimmig, ruhig, begleitet von wohltuenden Gitarrenklängen. Etwas zum Runterfahren, durchatmen und das ganze Konzert nochmals zu verinnerlichen. Ja, Pablopolar sind mit diesem tollen Release-Abend und gelungenem Tourauftakt definitiv wieder zurück.